Die Totengräber der „Marke Ich“

Die Totengräber der „Marke Ich“

Ärgern Sie sich auch über Mail-Signaturen, die größer sind als die Mail selber? Die überdimensionierte Fotos, Social Media Hinweise oder ganze Buchtitel enthalten? Willkommen in der Generation 35+. Dann haben Sie vermutlich auch einmal gelernt, dass Eigenlob stinkt. Das spricht für Ihre gute Kinderstube. Aber nicht für Ihre Erfolgsstrategie oder Karriereplanung. Ohne sichtbar zu werden, haben Sie nämlich keine Chance. Nicht bei Ihrem Chef, Ihren Kunden und Medienvertretern, bei denen Sie Ihre Botschaften plazieren wollen. Selbstvermarktung ist der Bewertungsgesellschaft, in der wir leben, nun einmal unerlässlich, sagen die Experten. Und damit sind wir zugleich beim ersten Totengräber der Selbstvermarktung:

  • Expertitis nenne ich die Neigung, sich gleich zum Botschafter, Weisheitslehrer und Coach zu küren. Ein Basis-VHS-Kurs in Social Media macht noch keinen Networking-Spezialisten und der „Burnout-Experte“ kann nicht den Arzt ersetzen.
  • Kopieritis ist der Zwang, es dem Kollegen, Vorbild oder Wettbewerber immer gleich zu tun: Wenn der Bestsellerautor etwa auf alle seine Briefe, Flyer und Mails das Cover seiner Neuerscheinung setzt, passt das noch lange nicht zu Ihrem Werk, das schon mehrere Jahre auf dem Buckel hat und im Selbstverlag erschienen ist.
  • Einseitigkeit, so irrwitzig es auch klingt, ist der Todfeind der Eigen-PR. Ich muss auch zuhören können, Fragen stellen, auf mein Gegenüber eingehen können, wenn ich ihn für mich gewinnen will und von mir überzeugen will.

Dazu vielleicht noch ein Beispiel: Eine Trainerin möchte ihre Wahrnehmungsfähigkeit in der Medienöffentlichkeit verbessern. Über einen Kontakt, meinen Xing-Auftritt und diesen Blog sei sie auf mich gekommen, lobt mich und fragt, ob ich sie unterstützen könnte. Ich mache mir Gedanken über ihre Stärken und Schwächen, nur ganz kurz und knapp, beschreibe, wo ich Potenzial sehe und was meine Dienstleistung Kosten würde und hänge das Dokument an meine Mail. Sie ruft mich zurück und fragt, was ich genau anzubieten habe. Ich bin irritiert. Nach ein paar Minuten wird klar, sie hat mein angehängtes Dokument gar nicht gesehen, geschweige denn gelesen, was in meinem Profil stand oder registriert, was wir im ersten Vorgespräch besprochen hatten. Sie entschuldigt sich. Ich schicke es noch einmal heraus. Eine Stunde später, meldet sie zurück, es haben sich andere Prioritäten ergeben, wir sollten das Dokument auf Wiedervorlage legen. Heißt im Klartext, meine Ideen und/ oder Kosten haben ihr nicht gefallen. Das ist in Ordnung. Heißt aber auch, dass die volle Konzentration und Präsenz nur bei ihr selbst war. Und das bleibt, egal der Gesprächspartner Kunde, Auftraggeber, Partner oder Kollege ist, immer haften – negativ!

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