War einmal ein Bumerang

War einmal ein Bumerang

Journalisten sollten ja eigentlich mit Sprache umgehen können, diese hinterfragen und sehr bewusst wählen. Sollte man meinen. Dennoch bin ich da gerade so richtig ins Fettnäpfchen getreten. Ja,  mit genau so einer Redewendung, die man nicht wirklich hinterfragt und einfach dumm nachplappert: Ich hatte in einem Online Bericht über einen Ausflug von Mittelstufenschülern in die Teilchenphysik von einem „Quantensprung der Erkenntnis“ gesprochen und das positiv gemeint.  Während die Schüler am Beginn ihrer Exkursion vorgaben, kaum etwas von dem Thema zu kennen, konnten sie am Ende Daten Ereignissen zuordnen, Quizfragen richtig beantworten und bekamen dafür alle ein „Master“ Zertifikat ausgehändigt. (Ein Titel, den die Veranstalter besser auch mal hinterfragen sollten). Ein aufmerksamer Physiklehrer unterrichtete mich dann allerdings davon, dass es nicht ganz so positiv rüberkam, wie es gemeint war:

Ein Quantensprung ist die kleinste physikalisch mögliche Veränderung (wenn das die vielen Politiker ahnen würden, die diese Formulierung so gern missbrauchen). 😉

Der Hinweis, dass es vielen (Politikern) so geht, macht es nicht besser. Es geht ja gerade darum, dass wir Journalisten die Floskeln der Politiker nicht für bare Münze weiter verkaufen: Den hochnotpeinlichen Spruch von Christian Wulff (ich höre Sie schon stöhnen, nicht der schon wieder – doch, denn während die Kriegserklärung an die Bild ja in aller Munde war, ist das hier fast untergegangen): Wulff äußerte beim Neujahrsempfang für seine MItarbeiter die Hoffnung, „dass dieses Stahlgewitter bald vorbei ist.“  Doch der Begriff ist ein Fehltritt und macht Gänsehaut: Stahlgewitter steht für das gleichnamige Buch Ernst Jüngers, das rauschhaft Fronterlebnisse aus dem Ersten Weltkrieg verherrlicht und ist eines Bundespräsidenten nun wahlich nicht würdig. Und schlimmer und peinlicher noch als der „Zoon politikon“, als der sich angeberisch von Guttenberg in dem viel zitierten Zeit-Interview selbst bezeichnet hatte; ein Interview, das sich auch als Bumerang erweisen sollte, wie Karasek in seiner Abendblatt-Glosse trefflich geäußert hat:

Ein Zoon politikon ist nicht etwa ein politischer Mensch, sondern einfach der Mensch an sich,  als geselliges Wesen, jemand, der wie Schaf und Mensch am liebsten in der Herde lebt.

Was lernen wir daraus: Etwas bescheidener, bodenständiger und bewusster kommunizieren wir auf jeden Fall besser…

Botschaften bewusst machen

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