Weltalzheimertag: Tage, die die Welt vergisst

Weltalzheimertag: Tage, die die Welt vergisst

Mal Hand aufs Herz, wie haben Sie Tag des Schlafes (13.06) verbracht? Oh, kein Problem, wenn Sie den halbwegs verschlafen haben! Und den Weltalzheimertag (23.09)? Komplett vergessen? Dann merken Sie aber mal ganz schnell in Ihrem Kalender vor: 30. September „Tag des Übersetzens“, 01. Oktober „Weltvegetariertag“  oder den 19. November „Welttoilettentag“.

Tage, die schnell mal ins Klo wandern

Tage, die schnell mal ins Klo wandern

Natürlich wäre es ein Griff ins Klo, darüber Witze zu machen. Mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung haben keine ausreichend hygienischen Sanitäreinrichtungen zur Verfügung und es wichtig, das Thema zu enttabuisieren. Aber was nützt es, wenn wir ihm einen Tag widmen und dann 364 Tage so weitermachen, wie bisher. Zumal zeitgleich auch „Männertag“ ist – oder gibt es da einen Zusammenhang, den ich nur gerade nicht erkenne?

Vor knapp drei Wochen hat mich die dpa-Tochter news aktuell per Mail angeschrieben:

Am 1.10. findet der Weltvegetariertag statt – Eine gute Gelegenheit für Radio-PR. Stellen Sie den Radiosendern einen Servicebeitrag bereit und lassen Sie Ihre Kunden als Experten zu Wort kommen: Welche Gründe gibt es, Vegetarier zu werden? Bedeutet der Verzicht auf Fleisch ein gesundheitliches Risiko? Woran erkenne ich gutes Gemüse?

Gut war an dem Schreiben, dass es rechtzeitig vor dem 01. Oktober kam. Denn wenn jedes Jahr wieder die Gedenktage – neben all den Awards, Aktionstagen und Firmenjubiläen – auf die Redaktionen niederprasseln, hat man allenfalls rechtzeitig im Vorwege noch eine Chance. Dumm nur, dass ich überhaupt keine Kunden aus dem Foodbereich habe und einen Weltvegetariertag für komplett überflüssig halte. Vegetarier ist man nämlich das ganze Jahr oder gar nicht, gesund und bewusst ernährt man sich auch besser ganzjährig – und wer es nicht tut, wird auch nicht mit einer „Radio PR Maßnahme“ erreicht. Zumal der 01. Oktober  als „internationale Tag der älteren Menschen“ und „Weltmusiktag“ überbelegt ist.

Je älter ich werde, umso mehr entwickele ich mich zum Anhänger der „No Name Days“. Weil zu viele Gedenktage die Gedanken vernebeln. Und weil weniger mehr ist und viele Aktivitäten, Attribute und Accessoires auf einmal sich gegenseitig aufheben.

Gerade hat mir Schweiz Tourismus eine Pressemeldung „Mit der Liebe spazieren“ ins Haus geschickt: Ein neu eröffneter und „einzigartiger Liebesweg“ will Paare auf acht Haltestationen anleiten, ihre Beziehung zu reflektieren. Einzigartig albern finde ich das und eigentlich ein Affront gegen die Region Luzern, die ihn beherbigt: Wie langweilig muss die Landschaft sein, dass sie den Vitaparcours für Liebesbeziehungen nötig hat? Die Boulevardzeitung Blick deckt denn auch auf, worum es eigentlich geht: Es gibt zu wenig Paare, die sich in der schmucken Kapelle, Wahrzeichen von Blatten Luzern trauen lassen. Ach so. Dann kann vermutlich nur noch ein „Tag der Trauung“ helfen…

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