… so der Titel meiner Campus-Geschichte in der FAZ am letzten Wochenende des Jahres. Und auch wenn es dabei um den Berufseinstieg von Hochschulabsolventen geht, trifft die Headline einen Nerv. Bei mir ganz sicher. KI macht die Konsumentenparadiese unter dem Dach von Plattformunternehmen noch effizienter: Scheinbar kostenlos und blitzschnell bekommen wir Antworten auf unsere Fragen, werden mit Texten, Bildern und Videoschnipseln gefüttert und unsere ausufernde Urteilslust wird mit Meinungen versorgt. KI bespielt soziale Netzwerke und schreibt Blogbeiträge. KI schwemmt das Web und macht alles glatt. Das ist das Ende eines Netzes, das Menschen mal für die weltweite Kommunikation entwickelt haben. Das Ende vom Unikat.
Wozu also noch bloggen? Zumal in Zeiten, in denen das geschriebene Wort sowiesos allzu oft klein beigeben muss? Wo lange Sätze als Geschwafel gelten und kurze Bulletpoints gefragt sind. Wo Menschen lieber hören wollen – das geht ja nebenbei und ist weniger anstrengend als zu lesen?
Viele Fragen und ein paar Antwortversuche, natürlich auch in Bulletpoints, ich will ja Menschen erreichen, nicht abschrecken…
Content ist nicht mehr King, Contenance gefragt
- Made bei Human Brain: Was hier steht, ist hundertprozentig von mir.
- Auf die Bremse treten: Wenn ich meine, es ist alles gesagt, schweige ich.
- Kreisläufe stören: Ich entziehe mich der Aufmerksamkeitsökonomie zumindest immer dann, wenn ich einen Blogbeitrag verfasse. Und ich entziehe mich gleichzeitig Jenny Odells Bestseller dazu, weil dieser erstens lange vor dem KI-Zeitalter geschrieben wurde und zweitens die kalifornische Künstlerin auch nur über viele Seiten beschreibt, was ich „Triple A“ nenne.
- Triple A proben: Abkühlzeiten einschieben, Automatismen unterbrechen, Abschalten.
- Nische bieten: Dieser Blog ist ganz sicher keine Datenraffinerie, hier wird Kommunikation nicht kapitalisiert, Netzwerkeffekte bleiben außen vor und Nutzer werden nicht getrackt – das würde sich auch gar nicht lohnen.
Eine Freundin vermisst meinen monatlichen Blogbeitrag. Ehrlich, das rührt mich. Und wenn es nur für diese eine Leserin ist, lohnt sich das Weiterschreiben erst recht. Immer dann, wenn ich eine Beobachtung oder Reflexion weiterzugeben habe – und nicht, wenn der Kalender es vorschreibt. Gegen Fiktionen und für Pressefreiheit, gegen Floskeln und für Verständlichkeit, dafür steht dieser Blog heute und hoffentlich auch noch morgen.
Auf Wiedersehen!
