Quickstorm, nein danke! Erst denken, dann posten

Quickstorm, nein danke! Erst denken, dann posten

„Krautreporter“ wollen ein neues Projekt starten, ambitionierter Journalismus, 900.000 Euro teuer, finanziert über Crowdfunding. Aber ehe sie überhaupt begonnen haben, bricht der Sturm der Besserwisser schon los: zu teuer, zu wenig Inhalt, zu wenig Frauen, schlechte Bezahltechnik. Die Ankündigung des Projektes ist noch nicht mal 48 Stunden alt, da bittet der Blogger Christian Jakubetz die Kritiker, doch bitteschön einfach mal die Klappe zu halten. Okay, er schreibt „Mund“, aber in Versalien und das ist mindestens wie Klappe. Nur die Bitte wird nicht erhört. Die Kritiker der Kritiker werden kritisiert. Mit noch frommeren Wünschen:

„Generell wünsche ich mir in unserem Land einfach viel mehr Gelassenheit – aber vor allen Dingen wünsche ich mir viel mehr “genaues Zuhören” und mehr “Mal ‘ne Nacht drüber schlafen, bevor man etwas ins Internet zwitschert/schrei(b)t“ schreibt ein Kommentator.

Ich glaube, da liegt der Schlüssel. Wir teilen, twittern und toasten zu flink, sprechen zu schnell einen Toast auf das auf, was Freunde, Follower oder Fakes machen. NetzwerkzwergEin Beispiel: Eine Internetseite veröffentlicht heftige Geschichten, die ans Herz gehen, anrühren, begeistern – und gerne geteilt werden. Nur die Texte sind alle geklaut, veraltet, übersetzt und werden lediglich als neu verkauft, wie die Rheinzeitung schreibt. Heftig! Ein anderes Beispiel: Günter Wallraff deckt unhygienische und unmenschliche Zustände bei Burger King auf. Worauf der Spiegel zu wissen glaubt, dass er ein PR-Mann von McDonald’s sei. Dabei liegt die Beratung und ein Vortrag vor Gewerkschaftsvertretern schon vier Jahre zurück und das Geld ging an eine Stiftung, wie die FAZ wiederum ermittelte.

All das nur, weil überhitzte Geschichten stärker wahrgenommen werden und weil wir zu den ersten zählen wollen, die Conchita auf der Wurst verbreiten.

Am Wochenende war ich auf ein Prezi-Schulung, ein internetbasiertes Präsentationsprogramm. Der Tipp, der mich am meisten überzeugt hat:

„Vermeiden Sie es, alle Möglichkeiten in einer Präsentation unterzubringen.

Jawohl. Wir haben alle Möglichkeiten dieser schönen digitalen Welt. Bevor wir diese nutzen, sollten wir allerdings immer überlegen, wozu.

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