Medienmotor, erster Gang: Phantasie statt Phrase

Medienmotor, erster Gang: Phantasie statt Phrase

Ich bin gelobt worden. Indirekt durch die Pressestelle eines Hamburger Konzers. Der zuständige Mitarbeiter änderte meine Pressemitteilung von schwarz auf halbrot und strich einen von mir angefeaturten Part im zweiten Teil einer Pressemitteilung ersatzlos. Begründung:

Dieser Satz ist nicht sehr pressemitteilungstauglich.

Das wiederum veranlasste meinen Kunden zu der Aussage:

Das meine ich ja. Unsere Pressemitteilungen lesen sich so anders als in der Branche üblich. Irgendwie flüssiger.

Vermutlich war es ja gar nicht so gemeint. Aber für mich ist das ein Kompliment. Anders als diese selbstherrlichen, aufgeblähten „Wir sind wirklich wer“-Meldungen muss einfach gut sein, denke ich.

Aber der Reihe nach: auch ich gebe meiner Pressemitteilung eine treffende Überschrift, die schon eine knappe Kernaussage des Textes ist, möglichst knackig noch dazu. Dann kommt das Kerngerüst: Wer, was, warum, wo, wann und wie. Sachlich und kurz statt langweilig und gekünstelt. Das wiederum ist die Kunst, die ich im ersten Textteil fett in Szene setze. Danach kommt Füllmaterial. HIer ein Zitat, da eine Hintergrundinfo, dort ein Detail.  Und in diesem zweiten Teil der Pressemitteilung, hinter der eigentlichen News, bin ich ziemlich frei. Weil ihn eh kaum jemand eins zu eins mitdruckt, aber man sich womöglich hier oder da bedienen kann. Behaupte ich mal. Mehr will ich dazu an dieser Stelle auch nicht verkünden, es gibt schon sehr viel gutes Material dazu und im Internet finden sich zahlreiche mehr oder weniger taugliche Anleitungen für das Verfassen einer guten Pressemitteilung. Kann man nutzen, muss man aber nicht. Denn gut ist schließlich doch nur, was auch gelesen wird. Und dafür ist Phantasie statt Phrase gefragt.  Wenn es dann auch noch glaubwürdig und google-geeicht ist, umso besser. Ach ja, der presseuntaugliche, aber aus meiner Sicht lesetaugliche (Ab)satz zu einem dreidimensionalen Vorführpanel in der Videothek lautete:

Wenn Filialleiter Müller in Hamburg kassiert, läuft immer wieder ein ähnlicher Film ab. „Hey, das musst du dir mal ansehen, total geil, wie die Meeresschildkröte auf einen zu schwimmt“, sagt ein Kunde zum anderen. Der Angesprochene stellt sich vor die aufgestellte Shutterbrille und schaut IMAX: Deep Sea, ein Unterwasserfilm in 3D. „Top – oh schade, der Hai dreht ab…“

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