1,60 Euro für einen Liter Diesel hatte ChatGPT versprochen und schön blöd, wer dem Bot traute, denn vor Ort lag der Preis bei 1,82 Euro. Noch blöder, wenn man für die Reise zur angeblich kostengünstigsten Tankstelle auch noch zweieinhalb Stunden Fahrtzeit und damit zusätzlichen Spritverbrauch in Kauf genommen hat, wie ein Franzose aus Montpellier, der es nicht nur bis zur spanischen Grenze, sondern auch in die Morgennachrichten des Senders France Inter schaffte.
Merke: Nie der KI allein das Denken überlassen
Menschliche Sorgfalt gegen maschinelle Mustererkennung, das ist das A und O. Doch die Warnung von KI-Trainern vor Halluzinationen und damit die Aufgabe an jede natürliche Intelligenz, mitzudenken, gegenzuchecken und notfalls gegenzusteuern, wird leider allzu oft in den Wind geschlagen. Weil Denken anstrengend sein kann.
KI-pppunkte
Aber es nützt ja nichts: Die KI ist nicht nur in der Welt, sie macht täglich rasantere Sprünge. Und das hat Folgen:
- Nachts spielt sie in Privatradios auf: Nicht weil KI-generierte Musik absolut hörenswert ist, sondern weil der Sender damit Gema-Gebühren spart.
- Oder: Sie erstellt Malbücher auf Knopfdruck, die eine Geschäftsfrau über Amazon an Eltern vertreibt. All die, die irgendwann einmal die Vorlagen dafür gegeben haben, gehen leer aus.
- Bedrohlicher: Sie steuert die militärischen Manöver eines Präsidenten, der sich wie Gott fühlt und der Ansicht ist, keinen rechtlichen Einschränkungen zu unterliegen.



Das zweite Beispiel verdanke ich einem Seminarteilnehmer, der wie ich ein Medientraining bei Journalist und Blogger Matthias Süßen besucht hat.
„KI im Social-Media-Management“
Dass KI sich fürs Brainstorming, zur Themenfindung und Redaktionsplanung eignet, wusste ich schon, aber es war schon beeindruckend, wie einfach das geht.
Auch nützlich: Man kann große Datenmengen rasant durchsuchen und sich daraus Infografiken bauen lassen. Oder die Reichweite, Stärken-Schwächen von Social Media-Auftritten, ja die Tonalität typischer Kommentar-Ausschläge, neudeutsch Hooks genannt, analysieren lassen.
Selbst wenn man für die eine oder andere KI-Anwendung europäische Datenschutzregeln umgehen muss, indem man den VPN-Dienst auf die USA stellt.
Keine NIchtigkeit: Geoblocking und Datensicherheit
Allerdings sollte man sich stets bewusst sein, dass man dafür einen Preis zahlt. Tech-Expertin Meredith Whittaker warnte vor kurzem in Der Zeit, dass ein KI-Agent ohne Zugriff auf persönliche Daten nicht funktioniere:
„Die Diagnose einer Geschlechtskrankheit. Ihre Bankdaten. Ihr Dating-Profil: Stellen Sie sich vor, Sie werden in einen Raum gebracht und das alles ist dort an die Wände projiziert.“
Den Überblick über große Mengen an Daten behalten, das ist die Chance. Und Gefahr zugleich, wenn wir nur noch auf Knopfdruck zwischen den verschiedenen KI-Modellen auf Poe, einem Multi-LLM-Chatbot hin- und herwechseln und die Orientierung zwischen Wahrheit und Dichtung verlieren.
Mit der Habermas-Maschine, einem Google KI-Tool zur Streitschlichtung wollte der Philosoph nichts zu tun haben. Sein Leben lang hat er an Aufklärung, Demokratie und Koexistenz geglaubt. Wie mag es ihm in den letzten Momenten gegangen sein, angesichts enthemmter Social-Media-Debatten, vergifteter politischer Diskurse und Big Tech auf Vormarsch? Frédéric Worms, Direktor der École normale supérieure zeichnete gestern das Bild eines Optimisten nach:
„Es gibt Leidenschaften, die alles zerstören können, und es gibt im Menschen auch das Bewusstsein, dass der einzige Weg, dem zu entkommen, darin besteht, miteinander zu sprechen.“
Wohl gemerkt: Menschen sprechen miteinander, hoffentlich im Besitz natürlicher Intelligenz, denn KI wird den Krieg nicht beenden.
