Setzen Sie sich bewusst in Szene

Setzen Sie sich bewusst in Szene

“It’s beautiful”, sagt der Apple-CEO über das neue Handy iPhone 3G und präsentiert sich  selbst als eine Art Heiland, der die Erde rettet – vor allen Nokia, Siemens und Motorola Handys weltweit. Ich persönlich habe Probleme mit solchen Starallüren, aber wenn Sie Berater, Coach oder Trainer sind, dann bleibt Ihnen gar nichts anderes übrig, als sich in Szene zu setzen. Schließlich sind Sie das Produkt – Ihre Dienstleistung bekommt nur durch Ihre Person, Fähigkeiten und Fertigkeiten Note und Gewicht. Einige Berater (ich kenne nur männliche Beispiele) tun das, indem sie unter jede Mail oder Post ihr Foto setzen. Anstelle oder in Ergänzung eines Logos. Nur wirkt das bei der zehnten Mailantwort in Folge genauso unpersönlich wie die Grußformel “mit freundlichen Grüßen”, die automatisch gesetzt wird.

Aufgesetzt wirkt für mich auch manche Präsentation in Online-Netzwerken – auch wenn diese gerade arg im Trend liegen: Bereits  neun Millionen Deutsche haben über sich ein Profil im Netz angelegt und jedes Jahr werden es 20 Prozent mehr, wie die Bitkom ermittelte. Nicht wenige dieser neun Millionen Netzwerker verfügen über Tausende von Kontakten, und wenn sich bei einem ihrer Kontakte etwas verändert, der Arbeitgeber gewechselt oder nur ein Forum neu besucht wird, verbreitet sich die Nachricht und das dazu gehörige Bild über das persönliche Netzwerk. “Den schlimmsten Part in diesem Drama spielen vielfach die Fotos”, schreibt die Karriereberaterin Svenja Hofert. Dabei so die Erfahrung der Autorin muss ein gutes Foto gar nicht teuer sein. Das gilt etwa für die Bewerbungsfotos von Studioline. Für 29 Euro bekommt man hier ein Foto in vierfacher Ausfertigung, ausgewählt aus mindestens sechs unterschiedlichen Motiven. Klar vier unterschiedliche Motive würde ich besser finden, schließlich ist die Vervielfältigung heutzutage kein Problem mehr, aber das weiß Studioline offenbar auch. Dafür gibt es das Wunschmotiv mit leichter Bildretusche, das klingt in meinen nicht mehr ganz jugendlichen Ohren gut, irgendwie faltenfrei. Die Hoffnung, die ruhigen 15 Minuten zu erwischen, wird nicht erfüllt, der Laden brummt. Also muss ich ran, zwischen all den jungen Studentinnen mein bestes Lächeln zeigen. “Nicht so verkrampft”, mahnt Fotografin Katharina Lauer und zupft streng an meiner Bluse: “Die ist zu kraus”, bemängelt sie, weshalb ich den Blazer anbehalten soll. Ein wenig fühle ich mich wie ein kleines Kind, das vergessen hat, sich vor dem Essen die Hände zu waschen. “Mehr zu mir gucken”, “mehr Lächeln”, “gerade sitzen”, “ein wenig nach unten schauen”. Nein, wirklich, Katharina hat es so gar nicht leicht mit mir und schmeißt dann auch blitzschnell die Hälfte der Fotos aus dem Rechner. “Das geht ja gar nicht”. Bleiben sechs Fotos, aus denen ich wählen darf, bei zweien sind wir uns einig, die sollen raus, aber dann wähle ich das weniger lächelnde Motiv als “Best of” und Katharina ist wieder nicht zufrieden: “Das wirkt künstlich, die Mimik stimmt nicht.” Ihre schnelle Beratung, die so recht keinen Widerspruch duldet, irritiert mich dann doch und auch als wir uns handelseinig werden, bin ich das Gefühl nicht los, ein wenig vorschnell behandelt worden zu sein. “Retusche nur ganz wenig”, sagt Katharina, “das sind ja Lachfalten, die können wir nicht wegnehmen.” Was ich aber auch für 29 Euro alles erwarte: Eine Antifaltenbehandlung mit Botox kostet je  nach Größe der zu behandelnden Region  zwischen 100 und 450 Euro.


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