Selters statt Sekt: Funke-Springer-Deal endgültig genehmigt

Selters statt Sekt: Funke-Springer-Deal endgültig genehmigt

Ob da wohl Sekt geflossen ist am Axel-Springer-Platz, nachdem nun endlich das Bundeskartellamt grünes Licht gegeben hat? Und damit Springer 920 Millionen Euro für einige Tageszeitungen, Frauenmagazine und TV-Zeitschriften erhält. Während der Käufer, die Funke-Gruppe, wiederum acht Fernsehzeitschriften an die Mediengruppe Klambt verkaufen muss, damit der Wettbewerb in diesem Marktbereich im Lot bleibt. Fragt sich nur, welcher Wettbewerb? Braucht man tatsächlich 30 verschiedene Magazine für ein- und dasselbe Fernsehprogramm? Wer liest die  70 Frauentitel? Männer wie Frauen als Beruhigungspille beim Zahnarzt? Und nun soll auch noch die gute alte Tageszeitung „Erklärmedium“ werden, weil ja die Nachricht eh aus dem Netz kommt. „Explanatory Journalism“ heißt jedenfalls eine neue Journalismusgattung aus den USA, bei der man sich tatsächlich fragt, was daran so neu sein soll. Hat uns die Tageszeitung, wenn sie gut war, nicht immer schon die Welt erklärt?

Die Welt nicht mehr verstanden haben jedenfalls die Mitarbeiter der Abendblatt-Redaktion, als die Nachricht vom Springer-Funke-Deal über sie hereinbrach. „Es sind Tränen geflossen“, erzählt Stephan Steinlein, Leiter der Hamburg-Redaktion auf einer Podiumsdiskussion zur Lage der Hamburger Tageszeitungen. „Wir haben uns verraten gefühlt.“ Weil Springer-Chef Mathias Döpfner noch 2012, als er sich schriftlich zum Abendblatt bekennen sollte, erklärt habe, er unterschreibe keine Selbstverständlichkeiten. Aber jetzt, so Steinlein, freue man sich für einen Verlag zu arbeiten, der sich bewusst für Print entschieden habe. Nun ja, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Jedenfalls werden die Mitarbeiter der Programm- und Frauentitel nicht viel zu lachen haben.index

Was die Podiumsdiskussion noch zutage gebracht hat:

  • Die Zukunft gehört dem Lokalen. Ein kleines Beispiel:  das Eimsbüttler Magazin „Mittendrin“ hat die App „call a journalist„, mit der Leser Journalisten  mit dem Smartphone dorthin rufen können, wo gerade etwas passiert.
  • Für die Nachwuchsjournalisten ist Lokaljournalismus dennoch keine Perspektive: die Mitarbeiter werden schlecht bezahlt und alle Mittendrin-Mitarbeiter arbeiten noch ehrenamtlich!
  • Noch lesen weit mehr Menschen gedruckte Nachrichten als digitale. Selbst die Jüngeren, so eine Studie der NZZ, bevorzugen mehrheitlich Gedrucktes. Allerdings sind sie mit Qualität der Angebote oft nicht zufrieden.

Vielleicht haben die Amis ja wieder mal die Nase vorn und dem erklärenden Journalismus gehört neben Boulevard und E-Commerce tatsächlich die Zukunft. Mit Analysen, Kommentaren und Hintergründen, die uns helfen, einzuordnen und zu verstehen, was in der Welt passiert.

 

 

 

 

 

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