Aber bitte fünf Sterne

Aber bitte fünf Sterne

Die Mail kam an einem Samstag und sie kam schnörkellos. Schon der Betreff „Bitte um Rezensionen“ sagte alles. Davor der Buchtitel, der rezensiert werden sollte, in der Mail dann der Link zu Amazon und eine kurze Ansprache:

Machst du mir bitte einen Gefallen und schreibst eine Rezension auf Amazon? Und: Fünf ***** Sterne sind mir am liebsten… :)Vielen, lieben Dank für deine Unterstützung!

Wow, denke, da weiß aber jemand, was er will, völlig unbescheiden und selbstgefällig. Natürlich ist inzwischen auch bei mir angekommen, dass im Web viel Fake unterwegs ist. Da wird für Freunde, Bekannte, Mitstreiter geworben, geliket und gelinkt, dass sich die Bits nur so biegen. Nein, was mich an dieser Mail erstaunt hat, ist die Selbstverständlichkeit, mit der sie zum Punkt kommt: kein Drumherumgerede, keine Anrede, mehr Anweisung als Bitte. Machen doch alle, also tu ich es auch. Und ohne die Höchstpunktzahl bringt es nichts. „Gehen Sie direkt über Los und ziehen 4.000 Euro ein.“

Ich habe einmal im Leben versucht, eine Rezension auf Amazon zu veröffentlichen. Tatsächlich auch für das Buch einer Freundin, aber aus eigenem Antrieb. Ich wollte vier Sterne vergeben, weil ich es wirklich gut, ungewöhnlich illustriert, aber eben nicht umwerfend fand. Amazon wollte meine Rezension aber nicht, weil ich noch nie bei dem Online-Händler bestellt habe. Kein Kunde, keine Kommunikation, so einfach ist das. Das war für mich auch in Ordnung und auf jeden Fall kein Grund, meinem Buchhändler den Rücken zu kehren. Einfach, weil ich Nähe mag und auf sie bauen kann. So wie ich der Empfehlung meiner Nachbarin mehr traue als der aus dem Bewertungsportal: Die Nachbarin schaut mir dabei in die Augen und sie muss dies im Zweifel auch wieder tun.index

PS. Schon wieder eine Mail in meinem Postkasten: Es geht um das Hörbuch einer Expertin, die sich Expertin für Touchpoint Management nennt. Was für ein aufgeblasener Begriff für Kundenbeziehungen, denke ich  und überfliege die Verlagsankündigung über die insgesamt zwölf (!) CDs. Wer soll das alles hören, so mein zweiter Gedanke. Ich lese:

…überaus praxisnah wird gezeigt, wie man vollends loyale Kunden gewinnt, und wie sich über emsige Fans und aktive Weiterempfehler das Neugeschäft sichern lässt.

Touch Point Sieg oder Fake Stern Bluff, das ist hier die Frage.

 

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