Feuern mit Stil

Feuern mit Stil

Was würden Sie denken, wenn Sie nach Ihrem Urlaub ein leeres digitales Postfach vorfänden? Vermutlich würden Sie auf eine Serverumstellung oder einen Fehler tippen, aber wohl kaum auf eine Kündigung. Nun, in meinem Fall war der Check einfach: Es ging nur um eine Serviceadresse, die ich für einen Kunden betreue und auf meinen anderen Konten konnte ich sehr wohl ablesen, dass der E-Mail-Server in diesem Fall  reibungslos funktionierte. Als kleinen Test leitete ich eine Mail von meinem Hauptkonto an die Serviceadresse und – siehe da – ich bekam postwendend Antwort:

Sehr geehrte Damen und Herren,vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich bin ab dem 10.06.2013 wieder im Büro für Sie zu erreichen.

Und dann folgte ein anderer Name als meiner. Kündigt man so eine siebenjährige Zusammenarbeit? Und wie viele Mails, die an mich gerichtet gewesen waren, waren nun bei dem Marketingleiter gelandet? Persönliche vielleicht?

Leider hat die Stillosigkeit Konjunktur. Nicht bei den Arbeitnehmern, für die es längst den Knigge für Jobwechsler gibt mit Tipps wie Kuchen zum Abschied, Dank und aufgeräumtem Arbeitsplatz. Nein, die andere Seite schwächelt. Es sind zwar nicht die Outplacementberater, die wie in dem Clooney-Film „Up in the Air“ MV5BMTI3MzYxMTA4NF5BMl5BanBnXkFtZTcwMDE4ODg3Mg@@._V1_SX214_vorgeschickt werden. Aber es mangelt bisweilen an Anstand, Feingefühl und Mut.  So wie die Geschäftsführung der Westfälischen Rundschau (WR) mal eben eine Betriebsversammlung einberuft und in knappen Worten das Ende der Zeitung verkündet. Dass die Zeiten schwierig sind, ist bekannt, dass es so schnell geht, damit hat keiner gerechnet. Gestandene Redakteure brechen in Tränen aus. Nur Kollegin Anja Schröder ist noch guter Dinge. Sie hat die Versammlung nicht miterlebt, weil sie den Termin mit einer ehemaligen Schlecker-Angestellten nicht verschieben wollte. Diese hat eine neue Anstellung gefunden und ist damit sehr glücklich.  Schade nur, dass die Geschichte „Das Ende kann eine Chance sein“ in der WR nicht mehr erscheinen konnte. Dafür erschien dievon Anja Schröder in der Journalist, April-Ausgabe. Titel: „Auf dem Markt“.

Liebe Unternehmer, liebe Vorgesetzte,  Anfang und Ende gehören zusammen. Sie wissen sicher, dass es so etwas wie eine Abschiedskultur gibt – und diese ein Barometer für die Unternehmenskultur ist. Dann handeln Sie möglichst danach: Unterscheiden Sie sich von Ihren Mitbewerbern, gehen sie sorgfältig mit Mitarbeitern um, auch mit den scheidenden. Denn natürlich darf man sich trennen. Auch nach sieben Jahren, wenn die Gesellschafterstruktur eine neue ist, die Zielgruppe sich ändert und neue Ideen und Vorgehensweisen gefragt sind. Na klar. Es gibt kein Abo auf Zusammenarbeit und keine Ewigkeit. Aber trennen Sie sich im Guten, suchen Sie das Gespräch, machen Sie es persönlich. Schließlich gibt auch gerade für den letzten Eindruck keine zweite Chance. Übrigens war in meinem Fall alles gar nicht so gemeint gewesen. Noch nicht. Gut angekommen ist das bei mir dennoch nicht.