Vom Ende her denken

Vom Ende her denken

Nein, lesen Sie das lieber nicht. Es sei denn, Sie wollen noch etwas ändern in Ihrem Leben. Solange das noch geht!

Das ist die Stelle, wo die Vortragsredner bedeutungsschwanger die Stimme heben. Wofür wir angetreten sind in unserem Leben, fragen sie. Ob wir unser Potenzial entfaltet hätten? Die Störfaktoren ausgemerzt?

Mit Sicherheit wichtige Fragen. Aber ich möchte es gar nicht so hoch hängen. Nur den Blick auf das Wesentliche lenken, das wir alle kennen und doch zu gern verdrängen. Die schlichte Tatsache nämlich, dass nichts für die Ewigkeit ist. Nicht mal unser Grabstein und der Engel darauf. Daher lohnt es sich, täglich vom Ende zu denken. Und dann den Fokus auf das Jetzt zu legen. Heute den Sommer genießen, die Spende ausstellen, die alte Tante anrufen. Morgen warten neue Aufgaben auf uns. Es sei denn, wir haben die Ansprüche an unser Leben längst aufgegeben und überlassen unsere Ziele und Themen dem Zufall oder den Zeiträubern im Netz.

Zu banal, um wahr zu sein? Das Ende ist nie banal, es ist kompliziert!

Ein „Energielotse“ hat mich letzte Woche darauf gebracht. Er stand mit frisch gerückter Maske und gezücktem Handy vor meiner Tür. Dass er zum kostenfreien „Klimacheck“ kommen sollte, war ausgemacht. Aber es ging mir um Regenwasser und Solartechnik, somit in erster Linie um eine Außenbegehung, daher hatte ich an einen Schnelltest gar nicht gedacht. Leicht verunsichert entgegnete ich: „Eine Maske kann ich auch gern aufsetzen, wenn Sie das wünschen, aber ein tagesaktuelles Testergebnis habe ich nicht zu bieten. Aber immerhin bin ich schon einmal geimpft…“ Das war die Stelle, wo der Energieberater den Kopf leicht nach hinten warf, ein Auge zukniff, mit dem anderen in die Sonne blinzelte und so etwas sagte wie, Impfen sei nicht die erste Wahl, die Langzeitfolgen seien doch gar nicht absehbar und er wappne sich mit gesunder Ernährung, viel Sonnenlicht und damit Vitamin D gegen das Virus.

Leider habe ich nicht so schnell geschaltet. Im Gegenteil, ich war perplex. Sonst hätte ich den Termin an dieser Stelle abgebrochen. Und nicht 90 Minuten meiner kostbaren Zeit geopfert. Immer in der Hoffnung, dass wir gleich zum Eigentlichen, sprich dem Klimacheck kommen. Stattdessen habe ich Hinweise bekommen, dass ich die Brötchen besser zu Fuß als mit dem Auto holen (mein Rad stand vor der Tür und Brötchen gibt’s nur im Urlaub) oder besser auf tierische Nahrungsmittel verzichten sollte (Fleisch gibt’s bei mir nur an Fest- und Feiertagen). Am Ende gab es dann noch „Geschenke“, wie der Berater es nannte, als er aus seiner Aktentasche einen Haufen alter, gedruckter Broschüren zog. Das mag ja klimaneutraler sein, als sie wegzuwerfen. Allerdings musste ich dann den Gang zum Altpapier übernehmen – zumindest mit all den Prospekten, bei denen beworbenen Förderungen längst ausgelaufen waren.

  • Lerne lieber Lotse: Klimacheck am Haus ist nicht gleich Gesundheitscheck am Bewohner. Und Privatmeinungen tun da nichts zur Sache!
  • Wisse auch: Die Sache mit dem Vitamin-D ist Quatsch! (Und so wichtig Sonnenlicht auch für das Leben ist, es ist leider auch nicht folgenlos, sagt mein Hautarzt!)
  • Merke I: Was nix kostet, ist nix wert! An diesen Spruch meiner Großmutter musste ich denken, als ich nach 90 Minuten kostenloser Beratung das Gefühl hatte, das war umsonst gewesen.
  • Merke II: Free Mentality oder auch Gratiskultur macht eben nicht frei, sie bindet Energie, Zeit, Ressourcen.
  • Merke III: Wer sich oder seine Immobilie verbessern will, ist am besten aufgehoben bei Leuten, die verbessern und nicht verwalten wollen und können.
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